Cornelius Comanns

Wer aus einem Piaggio-APE-50-Dreirad ein kleines Wohnmobil gestaltet, der muss schon ein ganz ausgeklügelter Kopf sein. Kein Wunder, dass der deutsche Designer Cornelius Comanns zu den fünf Gewinnern des Wettbewerbs ,,Golden Talents“ von Bernard-Massard zählt. In einem Interview hat er mit uns über hässliche Stadtmöbel und sein APE-Dreirad geplaudert. Er hat uns auch verraten, dass er sich nicht sicher ist, ob er überhaupt ein Künstler ist!


Wie füttern Sie Ihre Kreativität?

Kreativität, was auch immer das genau bedeutet, ist meiner Meinung nach eine Fähigkeit, die sich von früher Kindheit an entwickelt.


Brauchen Sie einen speziellen Rahmen, um gut zu arbeiten?

Ich brauche Ruhe und Frieden, um die Impulse von außen ausgleichen zu können.


Beschreiben Sie mir einen typischen (Arbeits-)Tag?

Das klingt vielleicht wie ein Klischee, aber jeder Tag verläuft anders. Das ist es vielleicht auch, was den Beruf des Designers so interessant für mich macht.


Wie definieren Sie Ihren Stil?

Das unterscheidet sich je nachdem was mit dem betreffenden Projekt ausgedrückt werden soll. Allgemein gesagt sind mir jedoch Materialeigenschaften, Oberflächen, Texturen und Farben mindestens ebenso wichtig wie die Form.


Ihre Abschlussarbeit in der Schule war die Beste Ihres Jahrganges, können Sie mir davon erzählen?

Für meine Abschlussarbeit im Bachelorstudiengang in München hatte ich mir vorgenommen, ein winziges Piaggio-APE-50-Dreirad in ein voll funktionstüchtiges Wohnmobil für eine Person umzugestalten. Der Hintergedanke war, das langsame, spontane und bewusste Reisen abseits der Hauptrouten zu fördern. Dieses Projekt habe ich vor allem für mich selbst umgesetzt, und das Ergebnis ist daher wie ich finde sehr authentisch und meiner Person entsprechend.


Waren Sie schon ein Künstler, bevor Sie zur Designschule gingen?

Ich weiß nicht einmal ob ich heute ein Künstler bin. Über das alte Thema „Ist Design Kunst?“ lässt sich ja sehr gut streiten. Ich habe aber schon immer viel gezeichnet und Dinge mit meinen Händen erschaffen oder auseinandergenommen.


Sie haben in Italien, Russland oder auch England studiert und gearbeitet. Hat sich Ihr Stil geändert, je nachdem, wo Sie gewohnt haben?

Ich war dort mit Menschen aus allen Teilen der Welt in Kontakt. Hoffentlich hat der eine oder andere gute Einfluss auf mich abgefärbt. Allgemein lässt sich sagen, dass der Begriff Nationalitäten dabei immer mehr verschwimmt und die individuelle Person in den Vordergrund rückt.


Warum unterscheiden sich Design und Stil von Ort zu Ort?

Design und Stil unterscheiden sich von Designer zu Designer oder von Mensch zu Mensch.


Was sind die Hauptmerkmale eines deutschen Designs?

In Begriffen von Nationalitäten zu denken ist der Ursprung vielen Übels.


Bezeichnen sie sich, von der Nationalität her, als deutscher Designer?

Ich besitze sowohl die deutsche als auch die italienische Staatsangehörigkeit. Allerdings ist zumindest die westliche Welt zu homogenisiert, dass Nationalität im Designbereich noch eine Rolle spielen würde.


Was ist Ihr Geheimnis, um eine revolutionäre Designidee zu finden?

Ich kann selbst schlecht beurteilen, ob ich das Geheimnis schon gefunden habe.


Kommt eine gute Idee sofort, oder ist es eher ein langwieriger Prozess?

Im Gegensatz zu anderen Designern steht bei mir meist eine starke Idee, die mich inspiriert und motiviert, am Anfang des Prozesses. Im weiteren Verlauf geht es dann darum, dieses Gedankenkonstrukt zu extrahieren und auch für andere greifbar zu machen.


Denken Sie, Städte sollten häufiger Designer zurate ziehen, um ihre Stadtmöbel ansprechender zu gestalten?

Es ist eine weit verbreitete falsche Vorstellung, dass nur Objekte, die über und über mit dem Wort „Design“ ausgestattet sind, von einem Produktdesigner entworfen wurden. Wohl beim Großteil der hier erwähnten „nicht ansprechenden“ Stadtmöbel hatte auch der eine oder andere Designer seine Finger mit im Spiel.


Setzen Sie ihre Kunst gerne in einen bestimmten Kontext bzw. geben Sie Erklärungen zu ihren Arbeiten, um die Ideen, die sich hinter Ihrer Kunst verbergen, zu verstehen?

Idealerweise sind meine Entwürfe weitestgehend selbsterklärend. Arbeiten, die einen ausschweifenden konzeptionellen Kontext benötigen um verstanden zu werden, überlasse ich anderen.


Möchten Sie mit Ihrer Kunst eine Botschaft verbreiten?

Eine Botschaft wohl nicht, aber ich versuche mit meinen Entwürfen den Betrachter auf emotionaler Ebene anzusprechen. Objekte, denen das gelingt sind, meiner Erfahrung nach am erfolgreichsten.